Daniel Wilmers baut tolle Angelruten

Neben Ködern, Schnüren und (bis auf die Stippfischerei) Rollen ist vor allem die Beschaffenheit der Angelrute selber ein wichtiger Faktor für den Angelerfolg. Will man beispielsweise Forellen fangen, die mit großer Kraft und viel Ausdauer dem Haken zu entkommen versuchen, braucht man eine elastische Rute mit einer weichen Spitze, um die Bewegungen des Fisches gut spüren zu können. Ist man hingegen auf einen Karpfen aus, braucht man eine starrere Rute, um den Fisch am Ende überhaupt anlanden zu können.

 

Der Handel bietet eine Vielzahl unterschiedlichster Angelruten an. Doch Daniel Wilmers, passionierter Fliegenfischer aus Ramsdorf, hat „die“ Rute ganz woanders gefunden. „Ich habe im Laufe der Jahre einige Ruten ausprobiert. Aber irgendwie war es nie das, was ich suchte. Ich hatte bestimmte Vorstellungen vor allen Dingen bezüglich der Aktionen: weich und doch fest sollten sie sein. Also habe ich mir einfach selber eine Rute gebaut.“

 

Das war vor ungefähr sieben Jahren. Seitdem sind unter den Händen des 28jährige schon eine Reihe Angelruten entstanden. Fliegen-, Match-, Spinn- und Feederruten – wieviele es waren, weiß der gelernte Kunstschmied nicht mehr genau. „Eine Rute kann man nicht mal eben so zwischendurch herstellen“, weiß der Ramsdorfer. „Vier bis fünf Stunden muss man rechnen, auch wenn man natürlich nach einigen Arbeitsschritten unterbrechen kann. Hinzu kommt noch die Trocknungszeit für die Kleber während den verschiedenen Entstehungsstadien der Angel.“

 

Diejenigen Rutenkomponenten, die er nicht selber herstellen kann, bestellt Daniel Wilmers im Spezialhandel. Der Rohling besteht aus – je nach Rute – vier bis sechs rund 40 cm langen, hauchdünn gewickelten Kohlefaserstangen. Diese müssen passgenau aufeinandergesteckt und nahtlos verleimt werden, damit die Schnur beim Angeln sauber durch die Rutenringe läuft und sie unter dem Zug des Fisches nicht bricht. „Hier kommt es auf Zehntelmillimeter an“ so der Angler, „sonst ist das Gewicht der Rute nicht genau ausbalanciert. Dann wird sie beim Einsatz am Gewässer immer einen leichten Drall in eine bestimmte Richtung haben.“

 

Den selben Einfluss hat das Anbringen der Rutenringe. Sie müssen millimetergenau an exakt der Stelle des Rutenrohlings angebracht werden, wo die Wickelung der Kohlefaser endet. Ist die richtige Position ermittelt und die Ringe mit Klebeband angebracht, sind eine ruhige Hand und viel Fingerspitzengefühl gefragt. Denn nun werden die Ringe mit farbigem Bindegarn stramm an der Rute festgewickelt. Dafür hat Wilmers sich eine spezielle Drehbank gebaut, in die er den Rohling einlegt und ihn nur noch vorsichtig drehen muss. Hinter dem Rutenaufleger befindet sich eine Spule, deren Drehwiderstand stufenlos verstellt werden kann. Das Garn wird mit einem flachen Knoten an dem Rohling befestigt und dann wickelt Wilmers es langsam um die Halterungen des Rutenringes. Damit anschließend auch alles hält, wird das Garnende mit einem Spezialknoten und Zwei-Komponenten-Lack fixiert. Dieses Prozedur muss für alle Rutenringe und den Spitzenring wiederholt werden.

 

Nach der Trocknungszeit lässt sich mit ersten Würfen feststellen, ob die Rute die gewünschten Eigenschaften hat. Dann bleibt eigentlich nur noch die Signatur anzubringen und die ganze Rute mit Speziallack zu lackieren. Am Schluss wird der Korkgriff angebracht.
Sind am Ende alle Teile trocken und Schnur und Rolle angebracht, kommt der schönste Teil: das Ausprobieren. „Zu spüren, dass die Rute leicht in der Hand liegt, ihre Aktion gut spürbar ist und sie trotzdem vibrationsfrei durch die Luft sirrt – das ist schon ein tolles Gefühl. Und wenn dann auch noch einer anbeisst...!“

 

Update 18. Januar 2009

Inzwischen hat Daniel auch eine eigene Webseite. Schaut euch doch mal um unter http://fliegenfischerschule.npage.de .

 

 

© Isabell Raschke 2008