Lebensraum Aa

Geologisch ist die Aa ein münsterländischer Niederungsbach. Sein sandiger Grund ist ständig in Bewegung und lagert sich am Ufer, in Kolken und auf Sandbänken ab. Durch die relativ flache Lage entstanden gerade in den Außenkurven Sumpfgebiete, in denen auch heute noch vereinzelt Auenwälder mit Erlen und Weiden zu finden sind. Die Bocholter Aa zeichnet sich durch verschiedene Zonen wie Flachwasser, schnellströmende Bereiche, tiefe Anstauungen, ruhige Fließabschnitte aus. Somit läßt sie sich nicht ohne weiteres in eine der fünf Fließgewässerregionen einstufen. Die Aa als Niederungs- oder Wiesenbach mit guten Lebensbedingungen für Bachforelle und auch Äsche zu bezeichnen wäre die bessere Lösung. Durch die abwechslungsreiche Charakteristik des Gewässers haben gerade die Bachforellen die Möglichkeit, hervorragend abzuwachsen und eine Länge von über 60 cm zu erreichen, was in einer reinen Bachforellenregion nur selten vorkommt.

Eine Quelle im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Vielmehr fließt das Wasser aus vielen kleinen Rinnsalen aus dem Weißen und dem Schwarzen Venn nahe bei Velen, die schließlich zwei kleine Bäche bilden: Den Thesingsbach und den Vennbach. Durch den weiteren Zulauf kleiner Gräben, die in einem weitverzweigten System die Weiden und Äcker weiträumig entwässern, sind aus dem Thesingsbach und dem Vennbach schon nach ein paar Kilometern beachtliche Wasserläufe entstanden, die unterhalb von Velen in einem Staubecken münden. Hinter dem Alten E-Werk in Velen heißt der Fluss dann offiziell Bocholter Aa.

Auf der von der ASG Ramsdorf gepachteten Strecke fließen noch zwei größere Bächen in den Fluss: Der Rindelfortsbach kurz vor Ramsdorf und der Meßlingsbach in Gemenkrückling. Über 50 Kilometer windet sich die Aa durch das westliche Münsterland, bevor sie bei Isselburg in die Issel mündet. Der Name „Aa“ ist wohl keltischen Ursprungs und abgeleitet von dem Wort „Apa“, was nichts anderes als „Fluss“ bedeutet.

Auch wenn bei oberflächlicher Betrachtung nicht viel im Wasser zu sehen ist, wimmelt es dort von Insekten, Fischen und anderen Tieren, die alle Teil des Ökosystems sind. Im Wasser findet man Kleinfische wie Gründlinge, Mühlkoppen, Schlammpeitzger, Hasel, Schmerlen, Bachneunaugen und Stichlinge. Neben dem Karpfen, der irgendwann von Menschenhand in den Fluss gelangte, kommen Weißfische wie Rotfeder und Rotauge natürlich vor. Heimische Raubfische sind Bachforelle, Barsch, Hecht und Aal, während Regenbogenforelle, Äsche und Bachsailbling ausgesetzt wurden.

Genauer hinschauen und beobachten muss man, will man die Kleinlebewesen und Insekten erspähen. Das Hauptinsekt ist die Köcherfliegenlarve. Daneben finden sich Mückenlarven, Erlfliegen, Libellenlarven der Wasserjungfer und der großen Prachtlibelle, Eintagsfliegenlarven wie zum Beispiel die der Maifliege, Florfliegen und vereinzelt auch Steinfliegenlarven. Sie alle leben nach dem Schlüpfen außerhalb des Wassers. Erst zur Eiablage kehren sie zurück und legen die Eier auf der Wasseroberfläche ab. Von den Larven ernähren sich wiederum andere Uferbewohner wie der Gelbbrandkäfer und die Wasserskorpione. Gammaruskrebse und der amerikanische Flusskrebs sind häufiger anzutreffen, während der an sich heimische Edelkrebs heute so gut wie ausgestorben ist.

An einem Fluss wie der Aa leben natürlich auch Tiere wie Wasserhühner, Enten, Graureiher, Bisamratten, Wasserratten, Spitzmäuse und Erdkröten. Auch heimisch, heute aber nur noch selten zu beobachten sind Eisvögel, Wasseramseln, Blindschleichen, Ringelnattern, Iltisse und Wiesel. Typische Pflanzen an einem Wiesenbach sind Erlen, Haselnuss, Hainbuche, Trauer- und Kopfweiden. Aber auch viele Sträucher, Kräuter und Gräser wachsen dort: Laichkraut, Gemeine Wasserpest, Seerosen, Wasserhahnenfuss, Wasserlinsen, Tausendblatt, Zartes Hornblatt, Wasserschlauch, Fieberklee, Breitblätterige Rohrkolben, Blutweiderich, ästiger Igelkolben, Sumpfdotterblume, Wasserminze, Kuckuckslichtnelke und Wasserlilie um nur einige Pflanzen aufzuzählen. Sie alle brauchen Wasser zum Leben und sind zum Teil Schattenspender und gleichzeitig Unterstand für die Fische.

Zusammen mit dem Wasser bilden diese Vielzahl von Lebewesen - sowohl Tiere als auch Pflanzen - das Biotop Aa. Dieses zu schützen und zu erhalten ist die Aufgabe der Menschen, die im engen Kontakt zu ihm leben. Doch viele Maßnahmen, die eigentlich zum Erhalt des Ökosystems beitragen sollten, erwiesen sich im Laufe der Zeit eher als Beeinträchtigung. Oftmals spielte Unwissenheit über die natürlichen Bedingungen eine Rolle bei der Entstehung der Probleme - manches Mal sogar auch nur Ignoranz.

 

 

© Isabell Raschke 2008